28. Januar 2012

Jahresmitgliederversammlung - Immer mehr Jugendliche interessieren sich für die Gedenkstätte

Wie auch schon in den vergangenen Jahren konnte unser Vorstandssprecher Herr Freckmann nach Auswertung des Besucherbuches mitteilen, dass von den 1811 Besuchern unserer Gedenkstätte im Jahre 2011 wieder 1081 Schüler waren. Das heißt, dass 54 Schulklassen sich mit diesem schrecklichen Kapitel der neueren Heimatgeschichte vor Ort auseinandergesetzt haben. Unsere Jugendgruppe HiSTORIES betreut viele dieser Klassen. Ansonsten werden die Besuchergruppen seit Jahren von drei GEW (Lehrergewerkschaft) Pensionären, alles ehemalige Lehrer, oder Vereinsmitglieder geführt. Die Jugendgruppe betreut auch seit geraumer Zeit Schüler, die für Referate oder GFS Arbeiten Informationen benötigen. Hierzu haben sie auch ein Faltblatt mit entsprechenden Angeboten entworfen. Dies wird an alle Schulen im Landkreis verteilt werden. Wir hoffen dadurch noch mehr Interesse für das Thema bei den Jugendlichen wecken zu können. Damit auch die Lehrer des Kreises umfangreich informiert sind und ihren Schüler Auskunft geben können, führen wir in Zusammenarbeit mit der GEW Informationstage durch.

Von amerikanischen Pfadfindern aus Stuttgart haben wir eine Anfrage erhalten, ob sie auf unserem Gelände ein Projekt durchführen können. Nach einer Besichtigung unserer Gedenkstätte haben sie sich dafür entschieden, den Platz vor dem Stollen vom Wildwuchs zu befreien und Bänke aus Holzstämmen herzustellen und aufzustellen. Wir freuen uns über diese internationalen Kontakte und Hilfen.

Unser wichtigstes Projekt für die nächste Zeit wird sein, das Geld für die geplanten Namensstelen auf dem Friedhof über Sponsoren und EU Gelder zu bekommen. Bis zum Frühjahr müssen wir über verschiedene Stiftungen 30 Prozent der Kosten zugesagt bekommen, damit wir den Rest über EU-Fonds beantragen können. Sollte alles nach Plan verlaufen, könnte der Vaihinger Künstler / Steinmetz Herr Morlock im Winterhalbjahr mit der Realisation beginnen und die Arbeiten bis zur Gedenkfeier im Jahre 2013 abgeschlossen haben. Die ersten Gelder haben wir schon von der Berthold Leibinger Stiftung erhalten. Ein Anfang ist gemacht. Durch diese Stelen werden die auf dem Friedhof liegenden Opfer wieder sichtbar ihren Namen erhalten. Überlebende schrieben uns in ihren Neujahrswünschen, wie wichtig sie gerade dieses Erinnerungsprojekt zum Gedenken an ihre ermordeten Kameraden finden.

Für unsere Forschungsarbeit sind jetzt wieder die Archive in Arolsen und Colmar zugänglich. Unser Historiker Herr Dr. Scheck wird sie dieses Jahr aufsuchen, um vorhandene Wissenslücken schließen zu können.

Für unseren Verein ist es eine Selbstverständlichkeit sich im Netzwerk gegen Rechts in Vaihingen/Enz zu engagieren. Wer aus der Vergangenheit etwas gelernt hat, darf niemals zulassen, dass es Intoleranz gibt und rechtes Gedankengut bei uns verbreitet werden darf. Unsere Gedenkstättenarbeit soll auch hierfür als Mahnung dienen.

 

27. Januar 2012

Gedenkstätten präsentieren ihre ehrenamtliche Arbeit im Landtag

Anlässlich der zentralen Gedenkfeier des Landtages von Baden – Württemberg für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2012 präsentierten sich über 40 Gedenkstätten aus dem ganzen Land in der Lobby des Landtagsgebäudes. Die Arbeit der KZ – Gedenkstätte Vaihingen/Enz e.V. wurde mit Hilfe von Informationsbroschüren, großformatigen Bildern, Faltblättern, sowie dem Medienkoffer und der Ausstellung „Menschenrechte hautnah!“ vorgestellt. Der Anstoß zur gemeinsamen Präsentation der Gedenkstätten ging vom Sprecherrat der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und der Gedenkstätteninitiativen aus, dem auch Michaela Fuchshuber und Felix Köhler angehören. Neben den Letztgenannten waren noch Jörg Becker, Ellinor Pecher und Rainer Mayer als Vertreter unseres Vereins anwesend.


 
Der Stand der KZ Gedenkstätte Vaihingen/Enz e.V. von oben, 27.01.2012Vielfältiges Informationsmaterial informierte über unsere Arbeit, 27.01.2012Ellinor Pecher, Michaela Fuchshuber und Felix Köhler an unserem Präsentationsstand im Gespräch, 27.01.2012Die Jugendguides der Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen präsentieren gemeinsam mit Frau Thelen von der LpB ihre Arbeit im Landtag, 27.01.2012Über 40 Gedenkstätten präsentierten ihre ehrenamtliche Arbeit am 27.01.2012 aus Anlass der Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus im Landtag
 
In seiner Rede bei der Gedenkfeier im Plenarsaal stellte Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) die Wichtigkeit der Gedenkstättenarbeit heraus. Er meinte, Baden-Württemberg könne sich glücklich schätzen, dass es hier inzwischen 66 Gedenkstätten gebe. Die meisten dieser Stätten seien durch lokale bürgerschaftliche Initiativen entstanden. Ihre Leitung und ihr Betrieb seien in der Regel ehrenamtlich organisiert. Wolf: „Die einzelnen Gedenkstätten und erst recht ihre Summe sind deshalb imposante Manifestationen der Zivilgesellschaft.“ Allen Verantwortlichen, Mitarbeitern und Unterstützern der baden-württembergischen Gedenkstätten sprach er den Dank und die Hochachtung des Landtags aus. Darüber hinaus kündigte er an, dass die Fördermittel für die Gedenkstättenarbeit im neuen Haushalt verdoppelt würden. Dies sei als politische Zukunftsinvestition zu sehen, denn die Gedenkstätten gehörten zum Rückgrat und zu den Kraftquellen der wehrhaften Demokratie.

 
Der Rede Wolfs folgte ein Vortrag der Konstanzer Universitätsprofessorin Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann zum Thema „Die transformatorische Kraft der Erinnerung“. Darin wies sie den Gedenkstätten drei wesentliche Bestimmungen zu, nämlich die eines begehbaren Geschichtsbuches, die als Kontaktpunkt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und die als stumme historische Zeugen, die wieder zum Sprechen gebracht werden können. Anschließend berichteten sogenannte Jugendguides der Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen über ihre Arbeit.



 
Obwohl bei dieser Veranstaltung viele Kontakte geknüpft bzw. erneuert werden konnten, bleibt kritisch anzumerken, dass eine auch für die Öffentlichkeit zugängliche Präsentation der Gedenkstätten aus Baden – Württemberg wünschenswert gewesen wäre.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Landeszentrale für politische Bildung Baden - Württemberg.


 

08. März 2012

Presseartikel zum Stand des Stelenprojekts

Heute veröffentlichte die Vaihinger Kreiszeitung unter der Überschrift "Opfern wenigstens die Namen zurückgeben" einen ausführlichen Artikel zum Stand unseres Stelenprojekts. Dieser Artikel kann auch online gelesen werden. Sie finden ihn hier.

Ein weitererArtikel zum gleichen Thema wurde am 05. April 2012 in der Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlicht. Diesen können Sie hier nachlesen.


 

Termin

15. April 2012 - Gedenkfeier auf dem Ehrenfriedhof

Am Sonntag, den 15. April 2012 um 16.00 Uhr findet eine etwa einstündige Gedenkfeier auf dem KZ-Friedhof Vaihingen/Enz statt. Dazu ist die Bevölkerung herzlich eingeladen.

Thematischer Schwerpunkt ist das Schicksal eines jüdischen Jungen, der mit 12 Jahren ins Warschauer Ghetto und mit 14 Jahren ins KZ Vaihingen/Enz kam.

Es wirken Schüler der Ferdinand-Steinbeis-Realschule mit , Schülerinnen der 12. Jahrgangsstufe des Friedrich-Abel-Gymnasiums umrahmen die Feier musikalisch.

Über eine rege Beteiligung freuen wir uns sehr!

 

Termin

Samstag, 12. Mai 2012 - Themenführung: Das KZ in Vaihingen an der Enz

Im Rahmen der Themenführungen der Stadt Vaihingen/Enz bietet die KZ - Gedenkstätte am Samstag, den 12. Mai 2012 eine Führung durch die Gedenkstätte an. Brigitta Isermeyer führt Interessierte ab 14 Jahre, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Näheres zu allen Themenführungen des 1. Halbjahres finden Sie hier. Treffpunkt ist an der Gedenkstätte um 14.00 Uhr.

 

15.04.2012 Gedenkfeier auf dem KZ – Ehrenfriedhof

Rund 80 Besucher fanden sich bei leichtem Regen zur diesjährigen Gedenkfeier auf dem KZ – Ehrenfriedhof ein. Das Vorbereitungsteam des Vereins KZ – Gedenkstätte Vaihingen/Enz e.V. stellte thematisch das Schicksal des jüdischen Häftlings Mendel Gutt (1929 – 2004) in den Mittelpunkt. Seine Frau Susanne Gutt war als Ehrengast bei der Feier anwesend. Mendel Gutt steht stellvertretend für die rund 4500 Männer, die in der Zeit von August 1944 bis zur Befreiung am 07.April 1945 in Vaihingen zur „Vernichtung durch Arbeit“ vorgesehen waren. Etwa 1700 Opfer überlebten den Terror, die katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen und die Schikanen der SS – Wachmannschaften nicht, 1342 von ihnen wurden auf dem Gelände des heutigen KZ – Ehrenfriedhofs in Massengräbern verscharrt.

 
Mendel Gutt am 23.4.2001Vorstandssprecher Bernd Freckmann begrüßt die Besucher der GedenkfeierJugendliche bei der Kranzniederlegung1342 Opfer aus über 20 Nationen haben ihre letzte Ruhestätte auf dem KZ - EhrenfriedhofDer Gedenkstein auf dem KZ - Ehrenfriedhof
 
Als Zwölfjähriger floh Mendel Gutt aus dem Warschauer Ghetto. Seine Stationen auf der Flucht waren zunächst eine Munitionsfabrik in Warschau, verschiedene Bauernhöfe, das Ghetto von Radom und schließlich das KZ Szkolna Straße in Radom. Nach dessen Auflösung im Juli 1944 kam er mit 15 Jahren auf Transport nach Auschwitz, wurde auf der Rampe als arbeitstauglich eingestuft und von dort nach Vaihingen/Enz transportiert, wo mit Hilfe von KZ – Häftlingen im ehemaligen Steinbruch der Firma Baresel eine unterirdische Rüstungsfabrik entstehen sollte. Durch einen Kolbenschlag wurde ihm im Durchgangslager Bietigheim seine rechte Gesichtshälfte zertrümmert. Er verlor sein rechtes Augenlicht. Trotz seiner schweren Kopfverletzung arbeitete er am Rande des Steinbruchs der Baustelle „Stoffel“ in Vaihingen als Kabelschlepper des großen Baukrans. Ein Kranführer der Organisation Todt steckte ihm Brot und Obst zu. Im Januar 1945 wurde er ins KZ Hessental bei Schwäbisch Hall zu Gleisbauarbeiten verlegt. Nach Auflösung dieses Lagers kam er ins KZ Dachau und musste von dort auf den Todesmarsch Richtung Alpen. Schließlich wurden die Häftlinge sich selbst überlassen. Todkrank wurde er von amerikanischen Truppen aufgegriffen und in einem Lager für „displaced persons“ wieder aufgepäppelt. Mit 18 Jahren wusste er, dass von seiner Großfamilie nur noch ein Vetter am Leben war. Seine Eltern und seine Schwester wurden im KZ Treblinka umgebracht. Sein Gesundheitszustand verhinderte eine Auswanderung in die USA. So blieb er in Deutschland und betrieb ab 1956 ein Tanzlokal in Mannheim, wo er 2004 mit 75 Jahren starb.



 
Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Vaihinger Bläserkreis unter Leitung von Wolfgang Kapp und den Schülerinnen Yolanda Fey und Teresa Dagenbach vom Friedrich – Abel Gymnasium. Unser Dank gilt dem gesamten Vorbereitungsteam unter der Leitung von Brigitta Isermeyer. Mit der Feier, die alljährlich rund um den Tag der Befreiung (07.04.) durchgeführt wird, möchte der Verein KZ – Gedenkstätte Vaihingen/Enz e.V. den Opfern gedenken und ihre Leiden und die gesamten Geschehnisse im Bewusstsein der Öffentlichkeit halten.